EINMANNDING

ZEITVERDICHTUNG

Billy, post-operativer Tagestext vom 08.12.2016

Posted on 08 Dezember, 2016 in Uncategorized

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Billy

 

Sich die Welt interpunktiv eigenhirnig zusammenschrauben,Schleifgelackt,mattweiß ,sechs Strophen hoch.was da für 59,- Euro an sprachlicher Pressspahndichte alles zwischen die verstellbaren Einlege-Borde passt.Mein lieber Schwede!

Von heute Morgen der Sonnenaufgang zum Beispiel.Blutige Streifen die sich aus grauer Basaltmasse drückten. Kreuzfeuer der Geschoßbahnen von Linenflügen mit griechischem Krähen-Orakel über dem Obdachlosen-Asyl, für Frischoperierte, da mußt du erst mal drauf kommen!

Und dann das unerbittliche Schwenken der Kräne im Park. Jede landschaftliche Wunde wird sorgsam baulich geschlossen.Bäume die als Gerüste dienen,damit die Reste des Himmel nicht einstürzt. Siebzig Jahre keine Bombenabwürfe,kein Wunder,dass die Architektur Maß und Ziel verliert.

Erschwerend kommt hinzu: in den Katalogen herrscht Weihnachten.Unendliche Mengen an Gewissensschnäppchen. Die mehrfach geglückte Ilumination von Asylantenheimen mit neugewählten Brandsätzen und der durchaus bedenkenswerte Vorschlag ein Luther-Denkmal im Gazastreifen zu errichten.Was kann uns christlicheres passieren als vom Glauben ab zu fallen?

In den unteren Fächern der Handkoffer mit dem Nötigsten. Jodtabletten gegen die Haarrisse in den Reaktormänteln,Landkarten für die aussichtsreichsten Windrichtungen.Eine Dose rote Bohnen,ein Pfund Nudeln,zwei Stimmgabeln und ein Satz Darm-Saiten mit der man die Hoffnung neu bespannen kann. Nicht zu vergessen die Montageanleitung und den Imbusschlüsse.

Das praktische am Leben bleibt ,seine simple Zerlegbarkeit.Ob man dir nun ein neues Hüftgelenk einsetz oder dank einer Nagelbombe das Gehirn aus der Verpackung bläst.Letztendlich alles Eingriffe,die in mikroskopisch dünnen Schichtungen sich auf kleinstem Raum übersichtlich bevorraten lassen.


Reiskuchen , Nachmittags-Übertragung aus dem Buch “Lin Boh” vom 04.12.2016

Posted on 04 Dezember, 2016 in Uncategorized

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Reiskuchen

 

Nach langem anstrengenden Marsch

durch die herbstlichen Täler

über den Pass,

bis zum Gipfel,

gönnen sich der Meister

und sein Schüler

eine kurze Rast.

Der Schüler wickelt die mitgenommenen Reiskuchen

aus dem leinernen Tuch

und überreicht sie dem Meister.

Der Meister erhebt sich,

betrachtet einige Zeit die Reiskuchen

dann wirft er sie in die Tiefe.

“Man muss lernen verzichten zu können”

spricht Lin Boh,

und gibt dem Schüler das Zeichen,

sich gemeinsam auf den Rückweg zu machen.


Terzinen , Abendtext vom 03.12.2016

Posted on 03 Dezember, 2016 in Uncategorized

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Terzinen

 

Der ersten Endung Echo leiht die dritte,

die zweite wirkt noch vornehm solitär,

flankiert von deren beiden Zwillingsmitte,

 

in vierter Zeile nicht von ungefähr,

erfährt die zweite ihren Wiederhall,

weil sonst die Regelung gebrochen wär,

 

und jeder eingeworfne Endungsball,

belebt im frischen Flug das alte Spiel,

ganz kurz vor seinem nächsten Niederfall,

 

wechselt der Klang ihn über’s Netz in’s Ziel,

des spitzen Stiftes kunstvolle Jonglage,

bekräftigt neuen Drall ihm, neuen Stil,

 

so steigt er von Etage zu Etage,

durch Reimgerüste luftig transparent,

hinauf bis in die letzte Wortpassage,

 

wo man ihn mangels Kenntnissen verkennt,

er noch einmal den letzten Witz versprüht,

danach entkräftet an sich selbst verbrennt,

 

 

zwei Zeilen tiefer entgültig verglüht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Weihnachtsmarkt , Morgentext vom 03.12.2016

Posted on 03 Dezember, 2016 in Uncategorized

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Weihnachtsmarkt

 

Vor Galleria Kaufhof

standen ein paar Junge Leute,

die auf Plakaten gegen die quälerische Behandlung

von Angorakaninchen in China protestierten.

Dazu spielten sie ununterbrochen

Aufnahmen ihrer schrillen Schmerzensschreie ab.

 

Vom Karussell herüber

ertönte das Gebimmel und Gehupe,

der Feuerwehrautos und Streifenwagen,

vermischt mit dem Janitscharen-Geschmetter

aus einer mechanischen Kirmesorgel

und dem Glühwein seligen Twittern und Rufen der Leute.

 

Mit meinem neuen Rollkoffer

und zwei Plastiktüten voll mit

T-Shirts, Unterwäsche und Socken,

war ich bei Starbucks an der Ecke stehen geblieben,

um einem Didgeridoospieler zu zu hören.

Als ich ging,Ich warf ihm zwei Euro auf seinen Blechteller.